Tourismus

Allee im Biosphärenreservat.
Foto: Archiv Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin


Der Tourismus ist eine wichtige wirtschaftliche Basis für die Bevölkerung in der Region. Die weiträumigen Wald-Seen-Landschaften und strukturreiche, landwirtschaftlich geprägte Kulturlandschaft mit ihren Siedlungs- und Wirtschaftsstrukturen bieten ideale Voraussetzungen für eine ruhige, landschaftsbezogene Erholung. Die Nähe zu Berlin, die gute Erreichbarkeit und die hohe Anzahl von attraktiven klassischen Besuchermagneten wie der Wildtierpark Schorfheide, das Kloster Chorin und das Schiffshebewerk bilden mit dem Geopark „Eiszeitland am Oderrand“, dem Weltnaturerbe „Buchenwald Grumsin“ und attraktiven Wander- und Radwegen einen hohen touristischen Wert. Die naturbezogene, ruhige Erholung mit vielfältigen Naturerlebnismöglichkeiten und qualitativ guten und authentischen Beherbergungs- und Versorgungsmöglichkeiten gewinnen für Urlauber immer mehr an Bedeutung.

Durch die Nähe zu Berlin (65-90 km) und vor allem die gute Bahnanbindung, ist das Biosphärenreservat klassisches Wochenend-Ausflugsziel für Berliner und zunehmend Zielgebiet für Fahrradtourismus (u.a. großer Fahrradverleih am Bahnhof Chorin, auch E-Bikes). Der Fahrradtourismus wird durch eine hohe Konzentration überregionaler Radwege gefördert (Radfernweg Berlin-Usedom, Uckermärker Radrundweg, Oder-Neiße-Radweg, Tour Brandenburg u.a.). Der Radfernweg Berlin – Usedom ist im Schutzgebiet nun auch durchgehend befahrbar. Eine weitere große Gruppe sind Familienurlauber, die besonders Campingplätze und Ferienwohnungen frequentieren. Schließlich ist das Gebiet Ziel von Kultur- und Bildungsreisen z.B. zum Kloster Chorin, zu Konzerten, zu Ökolandbaubetrieben usw. Auf der Grundlage dieses breiten Spektrums an touristischen Zielen und Schwerpunkten sind die Besucherzahlen im Gebiet leicht steigend.

Touristisches Leitbild für das Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin

Vision 2030

Vision 2030

Das Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin hat sich im Hinblick auf seine Tourismusentwicklung zu einer Vorzeigeregion mit Modellcharakter in Brandenburg und darüber hinaus etabliert, die Natur- und Landschaftsschutzbelangen, baukultureller Bedeutung, Erholungsbedürfnissen, Wirtschaftsinteressen und sozialen Ansprüchen gleichermaßen Rechnung trägt. Im Mittelpunkt steht der enge Dialog mit und zwischen den lokalen Akteuren, die sich in Anlehnung an die Leitlinien des internationalen Programms „Der Mensch und die Biosphäre“ als Impulsgeber und Botschafter für einen nachhaltigen Tourismus sowie als Motor zur Stärkung regionaler Wirtschaftskreisläufe verstehen. Die Chancen und Potenziale gemeinsam auszuschöpfen und dabei die Grenzen des Wachstums und der touristischen Nutzung des Biosphärenreservates zu wahren, sind für die aktiv-, natur-, kultur- und bildungsinteressierten Tages- und Übernachtungsgäste ebenso selbstverständlich wie für Verwaltung, Politik, touristische Leistungsträger, sonstige Unternehmen sowie für die Bevölkerung. Dies gilt vor allem für die besonders schutzbedürftigen Bereiche, allen voran das UNESCO Weltnaturerbe „Buchenwald Grumsin“1, das mit seinem einzigartigen Buchenwaldbestand, Seen, Erlensümpfen, kleinen Kesselmooren sowie als Brutgebiet für zahlreiche, zum Teil bedrohte Vogelarten eines der Juwele des Biosphärenreservates darstellt. Für Bewohner und Besucher des Biosphärenreservats stehen attraktive und möglichst barrierefreie Angebote zur Umweltbildung, für Kulturerlebnis und landschaftsgebundene Freizeitaktivtäten wie Wandern, Radfahren, Reiten und umweltfreundliche Wassersportarten zur Verfügung, die abgestimmt mit übergeordneten Vertriebsstrategien und unter Berücksichtigung eines gemeinsamen Ansatzes über adäquate Kommunikationskanälen (Print, Online etc.) adressiert werden. Alle Angebote verfügen über ein lückenloses, gut ausgebautes und beschildertes Infrastrukturnetz. Bereits bei der Anreise wählen die Besucher überwiegend den öffentlichen Personen-Nahverkehr (ÖPNV). Als Fahrtziel Natur Partnergebiet stehen den Besuchern mittels einer Gästekarte kostenlose Mobilitätsangebote vor Ort zur Verfügung, die neben dem ÖPNV auch weitere, alternative und umweltfreundliche Fortbewegungsmittel umfassen. Alle touristischen Anbieter fühlen sich dem Anspruch verpflichtet, ihre Leistungen in höchster Service- und Produktqualität anzubieten. Orientierungsrahmen für Letztere stellen das Prüfzeichen Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin und die Partner-Initiative des Biosphärenreservates, die sich als Qualitätszeichen für Regionalität sowie nachhaltige Produktion und Betriebsführung insbesondere im Tourismus etabliert haben.

1)Teilgebiet der seriellen Weltnaturerbestätte „Alte Buchenwälder und Buchenurwälder der Karpaten und anderer Regionen Europas“

Mission

Mission

Das Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin nutzt unter Beteiligung aller relevanten regionalen Akteure sein großes naturräumliches und kulturhistorisches Potential, um im Einklang mit seinen Schutzzielen aktiv eine nachhaltige, d.h. umweltverträgliche, klimafreundliche und sozialverantwortliche Tourismusentwicklung zu fördern. Sie soll sowohl seinen Bewohnern als auch seinen Besuchern langfristig ein hohes Maß an Erholungs- und Lebensqualität bieten und die wirtschaftliche Entwicklung der Region substanziell stärken.

Werte

Werte

Abbildung 1: Werte für die touristische Entwicklung im Biosphärenreservat Quelle: Eigene Darstellung, mascontour GmbH (2019)

Für die Tourismusentwicklung im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin wurden im Rahmen der Leitbildentwicklung folgende Werte definiert.

 

 

Strategische Ziele

Strategische Ziele

  1. Konsequente Förderung einer Tourismusentwicklung, die durch eine tragfähige Balance zwischen den Erfordernissen des Natur-, Landschafts- und Klimaschutzes, den sozialen und wirtschaftlichen Interessen der Bewohner sowie den erholungs- und erlebnisbezogenen Bedürfnissen der Besucher des Biosphärenreservats charakterisiert ist.

  2. Ausrichtung der künftigen Tourismusentwicklung an, mit regionalen Akteuren abgestimmten Leitlinien, die in Anlehnung an die Schutzziele des Biosphärenreservats sowie die Schutzbedürftigkeit bzw. Störungsempfindlichkeit von Landschaftsräumen gegenüber einer touristischen Inanspruchnahme festlegt, in welcher Intensität eine tourismusbezogene Nutzung und Entwicklung für bestimmte Räume naturschutzfachlich vertretbar ist.

  3. Etablierung geeigneter Managementstrukturen zur Förderung einer proaktiven, kooperativen sowie ergebnis- und lösungsorientierten Zusammenarbeit zwischen den regionalen Akteuren, die eine partizipative, auf Interessensausgleich und Konfliktminimierung ausgerichtete Tourismusentwicklung des Biosphärenreservats sicherstellen.

  4. Nutzung und zielgerichteter Ausbau des Tourismus als wirkungsvolles Instrument zur Wirtschaftsentwicklung, Arbeitsplatzschaffung und Steigerung der regionalen Wertschöpfung, um das Biosphärenreservat langfristig als attraktiven Wohn- und Arbeitsort zu erhalten und weiterzuentwickeln.

  5. Zielgruppenorientierte Bereitstellung qualitativ hochwertiger, innovativer, nachhaltiger und wettbewerbsfähiger Tourismusprodukte, Serviceleistungen sowie Mobilitäts- und Infrastrukturangebote für Bewohner und Besucher des Biosphärenreservats, die den Ansprüchen an ein aktivitäts- und bildungsorientiertes sowie authentisches und regionaltypisches Natur- und Kulturerlebnis gerecht werden.

  6. Erhalt und schonende Entwicklung der Baukultur als authentisches Erscheinungsbild und Alleinstellungsmerkmal für eine langfristige touristische Festigung einer nachhaltigen Reiseregion.

  7. Weiterentwicklung, Anwendung und Etablierung des Prüfzeichens und der Partner-Initiative als Qualitätszeichen des Biosphärenreservats für Regionalität sowie nachhaltige Produktion und Betriebsführung im Tourismus und anderen Branchen.

Positionierung

Positionierung

Abbildung 2: Vorschläge für Claims zur touristischen Vermarktung des Biosphärenreservats Quelle: Eigene Darstellung, mascontour GmbH (2019)

Profilierung und Positionierung des Biosphärenreservats nach Innen und nach Außen als zukunftsorientierte Region, die

  • in unmittelbarer Nachbarschaft zu Berlin als eindrucksvolle und vielfältige Kulturlandschaft mit rund 240 Seen, tausenden Mooren, einem einzigartigen Buchenwaldbestand, Wiesen und Äckern sowie als größtes Ökolandbaugebiet Deutschlands

modellhaft für

  • eine umweltverträgliche, klimafreundliche und sozialverantwortliche Entwicklung steht,

  • Wirtschaft, Naturschutz und Gesellschaft miteinander in Einklang bringt,

  • Erholungs- und Lebensqualität miteinander verknüpft

  • und darauf bedacht ist, natürliche und kulturhistorische Ressourcen und Besonderheiten gezielt zu nutzen und touristisch behutsam in Wert zu setzen,

um damit Bewohnern wie Besuchern langfristig einen authentischen und attraktiven Erholungsraum für natur-, kultur- und bildungsbezogene Aktivitäten sowie einen modernen und perspektivreichen Lebens- und Arbeitsraum zu bieten.

Um gegenüber den Besuchern und potenziellen Gästen des Biosphärenreservats die Positionierung mit klaren Botschaften zu kommunizieren, soll auf Claims zurückgegriffen werden, die unter dem Motto „Wir machen aus Natur Erlebnisse!“ sowohl von der Verwaltung des Biosphärenreservats als auch von den touristischen Verbänden und Unternehmen bei der Vermarktung der Region und ihrer Produkte zur Anwendung kommen sollen. Die nachfolgende Abbildung zeigt beispielhaft, wie diese Claims aussehen könnten.

Künftige Zielgruppen

Künftige Zielgruppen

Die künftigen Zielgruppen für den Tourismus im Biosphärenreservat sollen sich an den für das Land Brandenburg festgelegten touristischen Zielgruppen orientieren, um sowohl auf Landesebene als auch auf regionaler Ebene einer konsistenten Vermarktungs- und Produktentwicklungsstrategie für den Tourismus zu folgen. Die TMB Tourismus-Marketing Brandenburg GmbH hat in ihrer landesweiten Markenstrategie folgende fünf Zielgruppen1 definiert:

• Genussorientierte Natururlauber

• Eventorientierte Smartshopper

• Intellektuelle Kulturliebhaber

• Qualitätsbewusste Entschleuniger

• Gesellige Familien

Daran angelehnt, wird sich in Zukunft die nachhaltige Tourismusentwicklung im Biosphärenreservat auf diese Zielgruppen konzentrieren.

 

Tabelle 1: Künftige Zielgruppen für den Tourismus im Biosphärenreservat.   Quelle: TMB Tourismus-Marketing Brandenburg GmbH (2019)

Genussorientierte Natururlauber ▪ Suchen aktiven Urlaub auf dem Land & in der Natur, gerne auf und am Wasser ▪ Möchten Rad fahren und wandern ▪ Der Fokus liegt auf dem Naturerlebnis, kombiniert mit starken, genussreichen Elementen (z.B. regionaltypische Küche)Übernachten in hochwertigen Hotels, Pensionen sowie Ferienwohnungen & -häusern
Intellektuelle Kulturliebhaber ▪ Möchten kulturelle und historische Sehenswürdigkeiten, Museen & Ausstellungen besuchen ▪ Schätzen naturräumliche Angebote ▪ Achten auf Preis-LeistungsverhältnisBevorzugen Komfort und Hotels
Qualitätsbewusste Entschleuniger ▪ Suchen Auszeit vom Alltag & Urlaub auf dem Land ▪ Bevorzugen Bewegung & Entschleunigung in der Natur ohne große Anstrengung zum Erhalt der Vitalität ▪ Interessieren sich für Shopping, Wellness, Sehenswürdigkeiten & Events Buchen Hotels, Pensionen und Ferienwohnungen
Gesellige Familien ▪ Möchten im Urlaub gemeinsam Zeit miteinander verbringen ▪ Bevorzugen Angebote am und im Wasser ▪ Nutzen Erlebniseinrichtungen

▪ Buchen vor allem Ferienhäuser und -wohnungen, aber auch Campingplätze

Nachhaltiger Tourismus

Entwicklung des Tourismus im Biosphärenreservat

Im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin hat sich ein landschaftsbezogener und nachhaltiger Tourismus mit speziellem Profil erfolgreich etabliert, der weiter moderat anwächst. Dabei dominieren relativ zurückhaltende, landschaftsangepasste Formen des Tourismus. Alleinstellungsmerkmale des Tourismus sind im Biosphärenreservat:

  • Die Kombination aus Kultur- und Naturtourismus -, z.B. Choriner Musiksommer (klassische Konzerte im Kloster, oft in Verbindung mit Wanderungen und Radtouren), Kirchenkonzerte in Dörfern, kleinere Galerien und Ausstellungen in Hotels, Kirchen und offenen Höfen.

  • Erleben von Weite und Einsamkeit in großflächig von technischen Bauwerken weitgehend freien Landschaften - durch Wandern und Radfahren, ferner Baden und Angeln, lokal auch Reiten, Segeln, Kanufahren und Tauchsport.

  • Naturbeobachtung - Vögel beobachten, Pilze sammeln, Botanisieren, geführte naturkundliche Wanderungen usw.

  • Ökolandbau-Tourismus - Besuch von ökologischen Landwirtschaftsbetrieben, Teilnahme an Hofführungen, Einkauf in den Hofläden.

Insgesamt wird die touristische Besucherzahl im Landkreis Uckermark (der die nördliche Hälfte des Biosphärenreservats, aber auch den Nationalpark Unteres Odertal und den Naturpark Uckermärkische Seen beinhaltet) im Jahr 2012 auf 279.000 (mit 838.300 Übernachtungen) veranschlagt, mit steigender Tendenz (Angabe Touristen-Info Angermünde). Die Steigerung der Besucherzahlen ist nicht vorrangiges Ziel, sondern vor allem Weiterentwicklung der Qualität und saisonverlängernde Maßnahmen. Dies betrifft Beherbergungseinrichtungen, Gastronomie, zertifizierte Rad- und Wanderwege, Naturbeobachtungs- und Bildungseinrichtungen usw. Dass diese Strategie durchaus erfolgreich ist, zeigt auch die Auszeichnung der Uckermark als Sieger des Bundeswettbewerbs „Nachhaltige Tourismusregion“ des BMU im Jahr 2013.

Typische Beispiele für das spezielle touristische Profil des Biosphärenreservates und der angrenzenden Region sind z.B. folgende Unternehmen und Projekte:

  • Uckermärker Picknickkorb (Lieferung von Picknickkörben, die ausschließlich aus Uckermärker Produkten bestehen, an alle gewünschten und erreichbaren Ziele in der Landschaft).

  • Packeseltouren Brandenburg (geführte ein- bis mehrtägige Wanderungen mit Eseln und Maultieren, auch mit Erklärung der Landschaft durch eine Biologin).

  • Naturcampingplatz Pehlitzwerder (auto- und hundefreier Campingplatz auf einer Halbinsel im Parsteinsee mit hervorragenden Naturbeobachtungsmöglichkeiten, im Winter freigezogen).

  • Nullemissions-Mobilitäts-Netzwerk (System von Verleih- und kostenlosen solaren Ladestationen für E-Bikes und perspektivisch auch E-Mobile im BR).

  • Netzwerk Natur- und Landschaftsführer mit unterschiedlichem Profil.

Eine wichtige Funktion der BR-Verwaltung besteht einerseits darin, Schönheit, Unzerschnittenheit, Intaktheit und biologische Vielfalt der Landschaft als Grundlage auch für die nachhaltige Tourismusentwicklung zu gewährleisten und andererseits die Akteure im BR miteinander zu vernetzen und zu koordinieren.

Wichtiges Instrument zur Vernetzung der vorhandenen Strukturen und Betriebe ist das „Prüfzeichen Schorfheide-Chorin“. Unter dem Dach einer Regionalmarke mit hohem Qualitätsanspruch. Unter dem Dach des Prüfzeichens sind zurzeit 18 Betriebe der Gastronomie, Beherbergung und touristischen Dienstleistungen miteinander vernetzt, die sich bestimmten, auch ökologischen Qualitätsanforderungen und regionalen Wirtschaftskreisläufen verpflichtet fühlen.