Alleen

Wissenswertes über unsere Alleen

Wussten Sie es?

Alleen sind ein bedeutendes europäisches Kulturgut,  prägen das Landschaftsbild in Brandenburg seit Jahrhunderten. Das Land Brandenburg verfügt über rund 8000km Alleen, im UNESCO Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin finden sich rund 500 Kilometer dieser wunderschönen Alleen.

Die so von Bäumen eingerahmten und "überdachten" Straßen durchziehen die Landschaft, schützen die Reisenden vor Seitenwind, Staub, Regengüssen, Schnee und Hagel. Somit tragen Alleen ganz wesentlich zur Verkehrssicherheit bei! Denn nicht die Bäume sind Unfallverursacher. Unfälle auf Alleen sind fast immer das Resultat menschlichen Versagens, des rücksichtslosen und unangepassten Fahrens, oftmals mit weit überhöhter Geschwindigkeit.

Alleebäume besitzen auch eine erhebliche Bedeutung für die Verbesserung unserer Atemluft: CO2 wird aus der Luft gefiltert, Sauerstoff und Feuchtigkeit abgeben.Besonders jetzt, da sich der drastische Klimawandel zunehmend durch Trockenheit und Hitze zeigt,  wird die Bedeutung der Alleen und Alleebäume immer deutlicher: Sie schützen die Verkehrsteilnehmer vor Staubstürmen, stellen eine Brücke für die Luftfeuchtigkeit dar, kühlen den Straßenbelag und die Straße, was für die Verkehrsteilnehmer ein angenehmeres Reisen bedeutet. Auf den angrenzenden Feldern wird das Risiko der Winderosion gesenkt. Durch ihr kühleres und feuchteres Mikroklima können Alleen auch dazu beitragen, das Risiko eines Tornados zu senken.

Da Alleen zum Landschaftsbild seit Jahrhunderten gehören, in Literatur und Malerei verewigt und so Bestandeil unseres kulturelle Erbes wurden, spielen Alleen auch eine wesentliche Rolle bei der Entwicklung des Tourismus sowohl im UNESCO Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin, wie auch in ganz Brandenburg. Es ist daher auch ein Anliegen der Verwaltung des UNESCO Biosphärenreservates Schorfheide-Chorin die Alleen zu schützen - für jetzige und für zukünftige Generationen.

 

Ergebnisse einer Exkursion der Verwaltung des Biosphärenreservates sowie des Landesbetriebs Straßenwesen, Straßenmeistereien, Untere NaturschutzBehörde, dem Amt Britz-Chorin-Oderberg

Ergebnisse einer Exkursion der Verwaltung des Biosphärenreservates sowie des Landesbetriebs Straßenwesen, Straßenmeistereien, Untere NaturschutzBehörde, dem Amt Britz-Chorin-Oderberg

Am 29.März 2019 fand eine Exkursion mit über 20 Teilnehmern und Vertretern des Landesbetriebs Straßenwesen, mehrerer Straßenmeistereien, Unterer Naturschutzbehörden, dem Amt Britz-Chorin-Oderberg sowie der Verwaltung des UNESCO-Biosphärenreservats Schorfheide-Chorin statt.

Ziel der fünfstündigen Exkursion war es, sich über die unterschiedlichen Erkenntnisse auszutauschen, sich über weitere Schutzmaßnahmen zum Erhalt der Alleen im UNESCO- Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin zu verständigen.

Die Veranstaltung wurde moderiert von Frau Dr. Susanne Winter (WWF Deutschland), welche auch für die nachfolgenden Ausführungen freundlicherweise ihre Aufzeichnungen als Grundlage zur Verfügung stellte.

 

Der Informationsaustausch führte zu folgenden Erkenntnissen:

1) Finanzierung von Alleen- und Baumreihen

Anlage und Pflege Für die Anlage von Alleen sind nach Aussage des Landesbetriebes Straßenwesen ausreichende Finanzmittel vorhanden. Allerings mangele es an entsprechenden Finanzmitteln, um Straßenrandstreifen von privaten Eigentümern zu erwerben. Mit dem Erwerb von solchen „Randsreifen“ entlang der Straßen sollen die Allebäume und -Gehölze geschützt werden. Bisher ist ein Erwerb dieser Flächen nur im Rahmen sogenannter „Ersatzmaßnahmen“ möglich . Somit wäre der Erhalt des Schutzgutes Alleen im UNESCO-Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin abhängig von Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen, also davon, dass durch anderweitige Beeinträchtigungen von Natur- und Umwelt durch z.B. durch Baumaßnahmen, Gelder frei werden würden. Basierend auf dieser Fesstellung wird deutlich, dass für den Schutz der Alleen ein eigenständiges Finanzierungskonzept z.B. durch EU-Finanzmittel, Fonds o.ä. nötig ist. 

2) Vorgaben zu Alleen

Leitplanken sollen zukünftig neu angelegte Alleen schützen. Durch die Leitplanken wird die Sicherheit nachweiselich erhöht, wenn Fahrerinnen oder Fahrer von Kraftfahrzeugen die Kontrolle über ihr Fahrzeug verlieren. Die Anlage von Alleen mit Leitplanken ist allerdings nach jetzigem Stand nur langfristig zu realisieren, da hierzu die entsprechenden Stellenbesetzungen erst begonnen wurden.

Das Anbringen von Leitplanken wurde nötig, da viele Verkehrsteilnehmer mit überhöhter Geschwindigkeit die Alleen befahren und das Bundesverkehrsministeriums verhindert hatte, dass eine angepasste Geschwindigkeitsbegrenzung von 70 km/h umgesetzt werden konnte. Zukünftig soll der Abstand zwischen Fahrbahnkante und Bäumen mindestens 3m betragen, wenn Leitplanken vorhanden sind.

Auch damit soll der unangepassten Fahrweise einiger Verkehrsteilnehmer Rechnung getragen werden, auch wenn die Straßenverkehrsordnung ein anderes Verhalten vorschreibt: Straßenverkehrs-Ordnung (StVO) § 3 Geschwindigkeit (1) Wer ein Fahrzeug führt, darf nur so schnell fahren, dass das Fahrzeug ständig beherrscht wird. Die Geschwindigkeit ist insbesondere den Straßen-, Verkehrs-, Sicht- und Wetterverhältnissen sowie den persönlichen Fähigkeiten und den Eigenschaften von Fahrzeug und Ladung anzupassen... Quelle: Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz

Zusätzlich werden beiderseits der Fahrbahn Mulden für die Wasseraufnahmen freigehalten werden. Die Umsetzung der entsprechenden Maßnahmen soll schrittweise durchgeführt werden, um zu starke Eingriffe in den Gehölzbestand zu vermeiden.

3) Erhalt und Ergänzung des alten Baumbestandes der Alleen

Alte Alleen werden aufgrund der oben genannten Vorgaben nicht mehr durch Lückenpflanzungen ergänzt, auch nicht in der Flucht. Dieses hat zur Folge, dass z.B., die Allee zwischen Greiffenberg und Polßen sich nach und nach auflösen wird. Geplant ist, zu einem spätern Zeitpunkt eine neue Allee zu pflanzen. Lückenbepflanzungen sind auch deshalb nicht mehr vorgesehen, da diese, mit den unterschiedlichen Abständen der Bäume zur Straße, nur mit hohem Personal- und somit Finanzaufwand zu pflegen sind(Bewässern, Schnitt). Es wird angestrebt, eine Altersnachhaltigkeit der Alleen in Bezug auf 100 Jahre zu erreichen. Wie Alleen über dieses Alter hinaus geschlossen gehalten werden können, ist derzeit noch offen, da Nachpflanzungen in Neuanlagen nur in den ersten Jahren erfolgen. Danach werden Ausfälle, nach gegenwärtigem Planungsstand, voraussichtlich nicht ersetzt.

5) Heutige Alleen versus kulturhistorische Alleen Kulturhistorische

Allee sind Alleen, die meist einen Tunnel aus alten Baumkronen bilden, die Straßen und ihre Benutzer durch ihren nahen Stand an der Fahrbahn vor starkem Wind- und Witterungseinflüssen sowie Sonne schützen und den Straßenverlauf markieren. Nach Aussage der UnterenNaturschutzBehörde würden die neuen Alleen (wie oben beschrieben) der Kulturgeschichte des Landes und auch dem Schutzgut „Allee in der Landschaft“ wie den charakteristischen Dorfbildern nicht gerecht werden. Um das Schutzgut der kulturhistorisch bedeutsamen Allee zu erhalten, müsste es von den Vorgaben des Straßenwesens abweichende Erhaltungsmaßnahmen geben. Die Bepflanzungen, die sich an den angeblichen Bedürfnissen der Autofahrer und ihrer Sicherheit orientieren würden, bilden in ihrem Aussehen und in ihrer Funktion keine Alleen, denn Alleen in ihrer Klassischen Funtktion, insbesondere auch im Land Brandenburg, schützen z.B. durch ihr geschlossenes Laubdach die Verkehrsteilnehmer. Alleen sind als besonders prägende Bestandteile der Kulturlandschaft jedoch explizite Schutzgüter des Biosphärenreservates und zu schützen. Laut Landschaftsrahmenplan des Biosphärenreservates sind lückige und stark geschädigte Alleen zu ergänzen und ggf. neu anzulegen. Kulturhistorisch wertvolle Alleen sollten als Denkmäler ausgewiesen werden. Um diese in ihrer kulturhistorischen Ausprägung zu erhalten, sind andere Strategien nötig. Da die Definition einer Allee im Sinne des Landesbetriebs Straßenwesen deutlich von jener kulturhistorischer Alleen, einschließlich des möglichen Alleenalters abweiche, würden die Charakteristika der kulturhistorischen Allee nicht geschützt und damit verloren gehen.

6) Baumpflege einschließlich Aufastung und Mehrstämmigkeit

Anhand mehrerer Beispiele wurden Baumschnitte kritisch betrachtet. Zu hohe Aufastungen verhindern eine gute Alleenentwicklung, schwächten die Einzelbäume und würden die Hebelwirkung bei Sturm so verändern, dass die Bäume leichter umfielen. Aufastungen bedeutet, dass Äste bis zu einer bestimmten Höhe abgeschnitten werden. Dadurch verlagert sich der Schwerpunkt der Bäume, die Stabilität und Standfestigkeit geht verloren. Es wurde sehr deutlich, dass eine unsachgemäße Pflege von Bäumen (z.B. Allee von Parstein Richtung Neuendorf, Allee zwischen Pfingstberg und Flieth, gegenüber des Hofladens in Brodowin an der Kuhweide entlang, in Fürstenwalde) nicht nur das Bild der Bäume und der Landschaft, sondern eben auch das Überleben der Bäume sehr negativ beeinflusse. So sind beim Absägen der Äste die Schnittflächen oftmals so groß, so dass die Bäume diese nicht mehr überwallen können. Es bilden sich in der Folge Höhlungen an den Schnittstellen mit Fäulnis in den Stämmen. Der vorzeitige Verlust der Bäume ist die Folge. Wenn Äste abgeschnitten werden, sollten die Schnittflächen nicht größer als 5cm im Durchmesser sein. Für die Herstellung des Lichtraumprofils genügt der Rückschnitt im Mittelastbereich. Es sollte für die Baumpflegemaßnahmen eine Besetzung von Stellen mit qualifizierteren Personen, eine deutlich bessere Schulung in der Baumpflege und eine die Ausführungsmängel verhindernde Ausschreibungspraxis stattfinden.

7) Zwischengrün – heckenähnliche Gehölze und Naturverjüngung von Bäumen

Die (an der Exkursion) Beteiligten sind sich einig, dass Hecken, Sträucher und Naturverjüngung von Bäumen, die Alleebäume gut ergänzen und gewünscht sind. Sie sollten an vielen Stellen noch bewusster erhalten werden. Einige starke Rückschnitte, vor allem von schon älteren Bäumen, werden als nicht nötig angesehen. Diese Zwischengehölze werden auf der abgelegenen Seite der Mulde verstärkt toleriert und gepflegt. Alle paar Jahre werden die Gebüsche auf den Stock gesetzt. Dabei werden sich natürlich entwickelnde Bäume rausgepflegt. Vor dem Hintergrund des sich verändernden Klimas mit mehr Wind und extremeren Witterungseinflüssen, bilden diese geschlossenen Baum- und Heckenbestände Schutz für den Straßenverkehr und tragen zur Verkehrssicherheit bei. Nicht zuletzt sind sie bedeutende Biotopverbunde. Länger nicht gepflegte Abschnitte weisen jetzt häufig vielstämmige naturverjüngte Bäume auf, die langsam in einstämmige Bäume überführt werden.

8) Waldalleen

Waldalleen werden vom Landesbetrieb Straßenwesen nicht erhalten und es gibt keine Planungen für Neuanlagen. Die ehemaligen Anlagen sind wohl meist zeitgleich mit der Anlage der angrenzenden Wälder erfolgt, sodass auch Lichtbaumarten als Alleebäume möglich waren. Hier gäbe es aber sicherlich eine Möglichkeit, mit der Forstverwaltung Straßenbegleitbäume zu schaffen. Es gibt im UNESCO Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin bisher zwar keine Buchenalleen, aber als Schattenbaumart könnte dies hier von der Forstverwaltung vielleicht entwickelt werden.

9) Baumarten

Die häufigsten Baumarten, die gepflanzt werden, sind Linden- und Ahornarten, in Eichhorst sind Hainbuchen gepflanzt worden. Eichen werden aus Angst vor dem Prozessionsspinner nicht mehr gepflanzt. Ulmen werden im gewissen Abstand zueinander gepflanzt, um die Verbreitung von möglichen Schaderregern über Wurzelkontakt zu verhindern. Die Obstbaumallee vor Fürstenwalde wird im Zuge der Ersatzmaßnahmen der EW-Umgehungsstraße ergänzt.

10) Konkrete Planungen

Wie oben schon erwähnt, sind Alleenplanungen derzeit nur im Rahmen von Ersatzmaßnahmen und Planfeststellungsverfahren von Straßenabschnitten machbar, da es ohne bisher nicht möglich ist, das Landeseigentum der Straßenränder herzustellen. Es gibt zahlreiche ausgearbeitete Ersatzmaßnahmen für Pflanzungen im UNESCO Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin einschließlich Neuanlagen von Alleen bei Willmine, Ergänzungen und Verlängerungen. Es wurde von verschiedenen Ämtern darauf hingewiesen, dass die Ausschreibungen der Baumaßnahmen für den Baumschutz noch klarer formuliert werden müssten, um Schäden an Bäumen (falsche Pflege wie Schäden an den Bäumen bei Baumaßnahmen) zu verhindern. Zum Teil läge eine kritische Ausführung aber auch am nicht ausgeprägten Wissensstand der Ausführenden.

11) Die Zukunft

Der Austausch und das gemeinsame Anschauen von positiven wie kritisch zu bewertenden Maßnahmen wurde von allen Seiten als sehr positiv bewertet. Es wurde sehr deutlich, dass der Landesbetrieb und die Straßenmeistereien intensiv an dem gesetzlich möglichem Erhalt, der Pflege und Neuanlage von Alleen im BR SC arbeiten. Ein weiterer Austausch auf Planungsebene erscheint allen sinnvoll (Erstellung von Planungen), so dass ein weiteres Exkursionstreffen in 1 bis 1,5 Jahren wünschenswert erscheint. Mehrere Teilnehmer der Alleenexkursion sehen den Bedarf einer Entwicklung eines stärkeren politischen Willens die alten Bäume und den Charakter der Alleen durch Ergänzungspflanzungen für das Biosphärenreservat und andere Naturräume mit Alleen zu erhalten. Ein Alleenfonds oder EU-Gelder sollten auch zur Entwicklung von innovativen Ideen im Alleenschutz genutzt werden. Aus den Exkursions- und Diskussionsergebenissen des Tages ergeben sich folgende Arbeitsschwerpunkte für die Zukunft: Eine Bessere Ausbildung der Beauftragten im Baumschnitt Besetzung von Stellen nach benötigter Qualifikation Schaffung von Förderinstrumenten unabhängig von Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen (evt. zusammen mit der Förderung von Pflasterstraßen) Erarbeitung einer Arbeitsstrategie zum Erhalt von herausragenden vorhandenen Altbaum-Alleen (z. B. Denkmalschutz oder Leitplanken?) und deren Ergänzungen mit Pflanzungen möglichst in der Flucht und vor Auflösung der Altbaumsubstanz