Sinkende Wasserstände: Fachleute erklären die Entwicklung am Parsteinsee
Wie verändern sich die Wasserstände in der Region – und welche Möglichkeiten gibt es, mehr Wasser in der Landschaft zu halten? Diesen Fragen widmete sich eine Pressefahrt des NABU Brandenburg am 31. August. NABU-Landesvorsitzender Björn Ellner führte durch den Termin, bei dem Fachleute am Parsteinsee und am bereits ausgetrockneten Wesensee die Ursachen für die sinkenden Wasserstände und mögliche Handlungsansätze erläuterten.
Erste Station der Pressefahrt war der Parsteinsee, der größte See im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin. Dort ist die Uferlinie inzwischen um mehr als 150 Meter zurückgewichen und der Seespiegel seit 2013 um etwa 1,30 Meter gesunken. Prof. Dr. habil. Gunnar Lischeid, Hydrologe am Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF), machte deutlich, dass der Parsteinsee vor allem aus Grundwasser gespeist wird.
„Was Sie hinter mir sehen, ist ein See, aber der See ist eigentlich nichts anderes als Grundwasser, das in den Himmel schaut. Wenn der Seespiegel sinkt, ist das ein Zeichen dafür, dass das Wasser unter unseren Füßen bereits verschwunden ist“, erklärte Lischeid.
Eine wesentliche Ursache sieht der Hydrologe nicht allein in fehlenden Niederschlägen, sondern auch in den Folgen des Klimawandels. Mit den gestiegenen Temperaturen hat die Verdunstung zugenommen. Gleichzeitig beginnt die Vegetationsperiode früher und dauert länger, sodass Pflanzen über einen längeren Zeitraum Wasser aus dem Boden aufnehmen. Björn Ellner verwies ergänzend auf die Bedeutung des Grundwassers für die Trinkwasserversorgung, die in Brandenburg zu fast 90 Prozent daraus gedeckt wird.
Wie deutlich sich diese Entwicklung bereits auf die Landschaft auswirkt, zeigte die zweite Station der Pressefahrt. Vom Kleinen Rummelsberg ging der Blick auf den ehemaligen Wesensee, der 2023 noch mit Wasser gefüllt war, inzwischen aber vollständig ausgetrocknet ist.
Eine schnelle Erholung der Grundwasserspeicher ist nach Einschätzung Lischeids nicht zu erwarten. Dafür wären mehrere sehr nasse Jahre in Folge und zugleich kühlere Sommer notwendig.
Der Wasserrückhalt in der Landschaft hat sich also zu einer zentralen Herausforderung entwickelt. Stephan Garkisch, Geschäftsführer des Wasser- und Bodenverbandes „Finowfließ“, machte deutlich, dass Wasserrückhalt und notwendige Entwässerung vor Ort miteinander abgewogen werden müssen. Während Gräben beispielsweise Flächen vor Vernässung schützen, können sie zugleich Wasser aus der Landschaft ableiten. Welche Maßnahmen sinnvoll sind, hängt deshalb von den örtlichen Bedingungen und unterschiedlichen Nutzungsinteressen ab.
Gebiet
- Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin
Meldung vom 07.09.2026
