Mit der Elektrolanze gegen den Riesen-Bärenklau

Zur Bekämpfung des giftigen Riesenbärenklaus (Heracleum mantegazzianum) wird im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin diesen Sommer ein neuer Ansatz probiert: Starkstrom. 

Drei Meter hohe Stängel, 1 Meter lange Blätter, die in ihrer Form an eine Bärentatze erinnern und Dolden mit einem Durchmesser wie Autoreifen: Der Riesenbärenklau wird auch Herkuleskraut genannt und macht seinem Namen alle Ehre. 

Die Pflanze stammt ursprünglich aus dem Kaukasus und gilt in Europa als invasiver Neophyt. Seit 2017 steht der Riesen-Bärenklau auf der Unionsliste, kurz für „Liste invasiver gebietsfremder Arten von unionsweiter Bedeutung“. Diese führt aktuell 88 Tier- und Pflanzenarten auf, die sich mit negativen Auswirkungen auf Artenvielfalt und Ökosysteme ausbreiten oder bereits ausgebreitet haben. 

Der Riesen-Bärenklau gilt in Deutschland als etabliert und breitet sich auch in Brandenburg aus. Die Pflanze kann dichte Dominanzbestände bilden, die andere Pflanzen vollständig verdrängen. Zusätzlich gibt der Riesen-Bärenklau Stoffe über seine Wurzeln und abgestorbenes Pflanzenmaterial in den Boden ab, die ebenfalls hemmend auf das Wachstum anderer Pflanzen wirken und die Bodenqualität verschlechtern. Lokal kann dies zu einem deutlichen Rückgang der Artenvielfalt führen – besonders dort, wo der Riesen-Bärenklau ungehindert wächst. 

Darüber hinaus ist Heracleaum mantegazzianum phototoxisch. Das bedeutet: Alle Pflanzenteile des Riesen-Bärenklau enthalten sogenannte Furocumarine. Kommen diese Pflanzenstoffe auf die Haut und wird diese anschließend dem Sonnenlicht (UV-Strahlung) ausgesetzt, löst das eine chemische Reaktion aus. Diese schädigt die Hautzellen und führt zu schmerzhaften Verbrennungen, starken Rötungen und Blasenbildungen. Schon ein minimaler Hautkontakt mit der Pflanze kann diese Reaktion auslösen.

„Wir gehen derzeit noch von etwa 7-10 lokal begrenzten Vorkommen des Riesen-Bärenklaus im Biosphärenreservat aus.“ , sagt Benjamin Herold, zuständig für Forschung und Monitoring im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin

Aktuell werden im Biosphärenreservat vier Methoden getestet, um die weitere Verbreitung des Riesen-Bärenklaus zu bremsen: Das Durchstechen bzw. Ausgraben der Wurzelknollen, das Abschneiden von Blättern und Blüten, das Abschneiden der unreifen Samenstände und die Behandlung mit der Elektrolanze. 

Für diese neue Methode erzeugt ein Generator den Strom und ein Power-Modul liefert die nötige Stromspannung. Per Knopfdruck wird ein sehr hoher Stromimpuls erzeugt. Mit der Lanzenspitze wird entlang der Blätter gestrichen und der Strom fließt über die anderthalb Meter lange Lanze in die Pflanze bis in die Wurzeln und den Untergrund. Mit bis zu 5.000 Volt wird die Pflanze buchstäblich in Grund und Boden geschmort. Verwendet werden darf die Lanze daher auch nur von zertifizierten Fachleuten. Der Strom wird schließlich über einen Erdspieß und einem weiteren Kabel zurück an das Power-Modul zurückgeführt, sodass der Stromkreislauf geschlossen wird und keine anderen Pflanzen oder der Boden beeinträchtigt werden. 

Um die Arbeit für das nächste Jahr zu erleichtern, ist auch die Nachbereitung wichtig. Weil unter den riesigen Pflanzen nichts wächst, ist die nackte Erde dort ein idealer Keimboden für die nächste Generation. Deshalb ist das Aussäen von Gräsern geplant, die durch einen dichten Teppich einen explosiven Aufwuchs der neuen Jungpflanzen verhindern sollen. 

Nicht zu verwechseln ist der Riesen-Bärenklau übrigens mit dem einheimischen Wiesen-Bärenklau (Heracleum sphondylium), der ebenfalls weiße Dolden bildet. Dieser ist jedoch deutlich kleiner, die Stängel sind tief kantig gefurcht und haben keine purpurnen Flecken. Auch der Wiesen-Bärenklau kann bei Berührung zu einer phototoxischen Reaktion führen, wenn auch weniger stark. 

Mehr zum Riesen-Bärenklau und zu anderen invasiven Arten sowie zum Meldeportal gibt es hier: https://lfu.brandenburg.de/lfu/de/aufgaben/natur/artenschutz/invasive-arten/steckbriefe/ 

Gebiet

  • Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin

Meldung vom 20.07.2026