Flachland-Mähwiesen: Warum sie so wichtig sind

Flachland-Mähwiesen sind über lange Zeit durch eine vergleichsweise schonende Nutzung entstanden. Anders als intensiv bewirtschaftetes Grünland kommen sie ohne Düngung aus und werden traditionell durch Beweidung oder eine ein- bis zweimalige Mahd im Jahr genutzt. So können sich vielfältige Gräser, Kräuter und Blütenpflanzen entwickeln, die zahlreichen Tierarten Nahrung und einen Rückzugsort bieten – darunter Wiesenvögel wie Braunkehlchen, Rebhuhn und Wachtel, aber auch Insekten wie Schachbrettfalter und Blutströpfchen. 

Deshalb zählen Flachland-Mähwiesen zu den artenreichsten Lebensräumen unserer Kulturlandschaft. Wie wichtig ihr Erhalt ist, unterstreicht auch ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs: Deutschland wurde im Jahr 2024 wegen unzureichenden Schutzes von Flachland- und Berg-Mähwiesen in Natura-2000-Gebieten verurteilt. Neben erheblichen Flächenverlusten spielten dabei auch ökologische Qualitätsverluste eine Rolle. Zu deren Ursachen zählen unter anderem eine zu frühe Mahd sowie zu hohe Nährstoffeinträge.

Um Flachland-Mähwiesen zu bewahren, kommt es auf die richtige Form der Bewirtschaftung an. Denn sie sind durch menschliche Nutzung entstanden und auf diese auch weiterhin angewiesen. Bleibt sie aus, können Bäume und Sträucher die typische Wiesenvegetation verdrängen und die Flächen langfristig verbuschen.

Doch auch die Art der Nutzung will gut abgewogen sein. Mahd und Beweidung beeinflussen letztlich, welche Pflanzen und Tiere sich auf einer Fläche langfristig entwickeln können. Während bei einer Mahd die Vegetation einer Fläche zu einem bestimmten Zeitpunkt großflächig verändert wird, kann durch eine extensive Beweidung ein vielfältigeres Mosaik unterschiedlicher Strukturen entstehen. Für eine geeignete Pflege ist es deshalb wichtig, die Geschichte, Artenausstattung und Nutzungsmöglichkeiten einer Fläche gemeinsam zu betrachten.

„Wo es möglich und naturschutzfachlich sinnvoll ist, setzen wir im Biosphärenreservat bevorzugt auf Beweidung. Trotzdem gibt es nicht die eine richtige Form der Bewirtschaftung für jede Wiese. Wir schauen uns an, wie eine Fläche entstanden ist, welche Arten dort vorkommen und wie sie sich sinnvoll in den landwirtschaftlichen Betrieb integrieren lässt. Daraus entwickeln wir gemeinsam eine Lösung, die sowohl dem Naturschutz als auch den Bedürfnissen des Betriebs gerecht wird“, sagt Ranger Wilderich Stein, der die Pflege und Entwicklung der Flachland-Mähwiesen im Biosphärenreservat fachlich begleitet.

 

Gebiet

  • Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin

Meldung vom 19.10.2026