Zu Besuch bei alten Bäumen - Vortrag im NABU-Naturerlebniszentrum Blumberger Mühle

Am Nachmittag des Freitag, am 13. Januar fand im NABU-Erlebniszentrum Blumberger Mühle eine weitere Veranstaltung der Reihe "Dr. Henne & Gäste" statt. Diese gemeinsam mit dem UNESCO-Club des Biosphärenreservats Schorfheide-Chorin im Erlebniszentrum laufende Vortragsreihe bietet monatlich wechselnde Themen an, die dem Grundgedanken "Mensch und Biosphäre" verpflichtet sind.

Fast vierzig Menschen waren trotz der unsicheren Wetterlage gekommen, um im kleinen Seminarraum des Zentrums den Bilder-Vortrag von Wolfgang Sibora zu sehen, Thema diesmal: Alte Bäume.

Wolfgang Sibora, der seine Berufslaufbahn als Maschinenbauingenieur begann, hat schon vor Jahren konsequent die Richtung gewechselt und folgt heute einer Neigung, die in der Kindheit als tiefe Naturliebe begann. Der knapp Sechzigjährige widmet sich dem Thema der alten Bäume unserer Welt in außerordentlicher Gründlichkeit und arbeitet mit an der landesweiten Erfassung alter Bäume (wwwbaumkunde.de).

Nach einer kurzen Rückschau des Gastgebers Eberhard Henne in vergangene DDR-Zeiten und den oft gedankenlosen Umgang mit alten Bäumen damals wie heute begann der Referent eine opulente Bilderschau auf Bäume in aller Welt, deren hohes Alter und charaktervolles Aussehen die Zuschauer in ihren Bann zogen. Der Vortrag führte auf andere Kontinente, zeigte die Ehrfurcht gebietenden riesigen Mammutbäume, zeigte viele hundert Jahre alte, windgekrümmte Wacholderbäume auf den kanarischen Inseln, uralte Olivenhaine, deren Bäume Gesichter tragen. Er zeigte Baumveteranen, verstreut in ganz Deutschland, die schon zu Zeiten Karls des Großen ihre Wurzeln in die Erde gesenkt hatten, Tanzlinden, Gerichtslinden, Süntelbuchen, Dorfeichen und noch vieles an regionalen Besonderheiten wie die berühmten Ivenacker Eichen, die jeder kennt. Die ästhetische Schönheit der alten Bäume in ihren deutlich von langem Leben und vielen Notzeiten oder Verletzungen geprägten Gestalten rührte die Gäste spürbar an, kaum fiel ein Wort während des mehr als anderthalbstündigen Vortrags.

Auch in unserer eigenen Region fand der Autor solche Naturdenkmale, die Silkebuche der Schorfheide, die alte Feldulme in Sommerfelde, die sonderbar verwachsene Sommerlinde auf dem Pehlitzwerder.

Klar wurde aber: Es wird kaum ein Baum so alt wie die vorgestellten Patriarchen. Sibora machte klar, dass in der heutigen Bewirtschaftung der Forsten durch den Menschen fast kein Baum sein natürliches Lebensalter erreicht, alle werden bei erreichter Hiebsreife mit 120 bis höchstens 160 Jahren geerntet und genutzt. Die Einstellung zu Bäumen hat einen grundlegenden Wandel erfahren. Waren sie früher in der Vorstellungswelt der Menschen oft von Göttern bewohnte Wesen, denen man opferte, sie verehrte, sind sie heute Nutzholz und dienen uns in vielfacher Weise.

Und doch gibt es diese außerordentlichen Zeitzeugen noch, die aus den verschiedensten Gründen überlebten, verschont wurden, und noch immer wirken sie auf den Betrachter mit ihrem unerklärlichen Zauber. Wolfgang Sibora ist Naturfotograf und Baumverehrer, und er ist fest davon überzeugt, dass gerade die Zeiten überdauernde Bäume als lebende Wesen eine besondere Bedeutung für den Menschen haben. Inzwischen ansässig in der Uckermark, hat er noch längst nicht alle Baumveteranen entdeckt, die es hier noch immer gibt. In den nutzungsfreien Kernzonen des Biosphärenreservates stehen viele, die auf dem Weg dahin sind, solche geheimnisvollen Baumriesen zu werden, so dass auch wir den Nachfahren solche Denkmale hinterlassen können.

Wolfgang Sibora schloss seinen faktenreichen Vortrag mit einem Ausspruch von Hermann Hesse: "Wer gelernt hat, Bäumen zuzuhören, begehrt nichts zu sein, als was er ist."

Kontakt: 0152/33647081, mail@wolfgangsibora.de

Gebiet

  • Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin