Alte Haustierrassen im Biosphärenreservat

In der Reihe "Dr. Henne und Gäste" erlebten die interessierten Besucher in der Blumberger Mühle am 21. April 2017 zwei lebendig vorgetragene und "Lust auf mehr" machende Präsentationen zum Thema "Alte Haus- und Nutztierrassen im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin".

Beate Blahy führte mit beeindruckenden Zahlen und Fakten zur langen gemeinsamen Geschichte von Mensch und domestizierten Tierarten und dieser kulturellen Leistung in den Nachmittag ein. Sie stellte schwungvoll erzählend und porträtierend mehrere der sehr gut an ihre Standortverhältnisse angepassten Rassen vor. Obwohl für die lokalen Bedingungen speziell selektiert, sind sie dennoch im Zuge der Industrialisierung der landwirtschaftlichen Produktion fast verloren gegangenen. Wer kennt noch die in der Uckermark früher verbreiteten Pommernenten in ihrem eleganten schwarzen oder blauen Federkleid mit weißem Latz, lautem Geschnatter und eigenwilligem Mut? Fast ausgestorben waren die inzwischen wieder verbreiteten zierlichen Skudden, Rauwolligen Pommernschafe und Coburger Füchse wie auch das mittlerweile überregional bekannte und beliebte Rhönschaf, ein hervorragendes "Zugpferd" des Biosphärenreservats Rhön: Als Landschaftspfleger verrichten sie einen wichtigen Job und liefern mit ihrem zarten Fleisch gleichermaßen eine nachgefragte Gaumenfreude sowie ein sicheres Einkommen.

Zwei Arche-Höfe innerhalb des Biosphärenreservates sind das Gut Kerkow und der Wildpark Schorfheide bei Groß Schönebeck, die mehrere alte Haustierrassen halten, züchten und vermarkten. Daneben gibt es viele weitere engagierte Züchter, die "Durch Aufessen alte  Rassen erhalten" zu ihrer Lebensaufgabe gemacht haben. Das bunte Bild verschiedenster Haus- und Nutztierarten und -rassen prägt die Landschaften und verleiht ihr die Vielfalt und Eigenart. Das ist nicht nur Wirtschaftsfaktor und Möglichkeit zur Wertschöpfung. Diese Bilder erfreuen Touristen und sie stehen für eine nachhaltige und naturverträgliche Landschaftsnutzung.

Fast verschwunden waren auch das Bunte Bentheimer Landschwein, die Rote Harzkuh, das Schleswiger Kaltblutpferd und die robusten wie attraktiven Hühnerrassen Sachsenhuhn, Lakenfelder, Vorwerk- und Deutsches Lachshuhn. Sie wurden oft nur von einzelnen Züchtern, die  von deren Qualitäten überzeugt  waren, im Vertrauen auf eine Renaissance über Jahrzehnte bewahrt  und letztendlich gerettet.

Im Rahmen der Lämmertage wurde dem Schaf als Jahrtausende langem Begleiter des Menschen vergnüglich wie informativ von Frau Cornelia Jentzsch eine besondere Ehrung zuteil: Sie las mehrere Passagen aus der Reihe "Naturkunden" des Berliner Verlags Matthes & Seitz und rundete damit diesen kurzen wie intensiven Ausflug in die vital zu erlebende Vergangenheit dieser wunderbaren Kultur- und Landschaftsgeschichte ab.

Um den gehaltvollen Nachmittag noch zu steigern, konnte ein auf Gut Kerkow geschlachtetes und schmackhaft zubereitetes Schwarzköpfiges Fleischschaf probiert werden. Die Schafrasse wird von der Bioschäferei Jens Kath in Friedrichsfelde gehalten.

Gebiet

  • Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin